von Thomas Koch

Mirko Bonné / Lichter als der Tag

Von Mirko Bonné habe ich vor rund zehn Jahren das erste Mal eine Kurzgeschichte gelesen, die in der jährlichen Sammlung des Hamburger Schriftstellervereins „Der Ziegel“ (der heißt nicht nur so …) erschienen war  -  das verspricht spannende Lektüre!

Mirko Bonné / Lichter als der Tag

 

von Thomas Koch

Juli Zeh / Corpus Delicti

Perfekt geeignet für die Handtasche, so dass frau es täglich für kleine Lesepausen dabei haben kann, zumal es in schönen kurzen Kapiteln geschrieben ist.

Wir blicken in die Zukunft, in das Leben und Funktionieren einer Gesellschaft, in der sich alles um Gesundheit dreht  -  noch mehr und administrierter als jetzt schon. Getrunken wird nur heißes Wasser, Wald und Natur gelten als Gefahrenzonen, weil sie nicht komplett desinfiziert werden können.

Natürlich gibt es Menschen, denen ein solches Leben nicht gefällt, die ausbrechen wollen. Und natürlich hat die gesundheitsdiktatorische Regierung mit solchen Menschen ein Problem.

Juli Zeh erzählt eine schöne Geschichte in ihrer eigenen, kunstvoll lapidaren Sprache. Manch ein Vortrag der Protagonisten kann einem schon zu denken geben. Ein Zukunftsroman, den man gelesen haben sollte.

Juli Zeh / Corpus Delicti

 

von Thomas Koch

Anne Holt / Ein kalter Fall

Lange nichts gehört von Hanne Wilhelmsen, der Ermittlerin, der man durch viele Fälle von Anne Holt und Berit Reis-Andersen folgen konnte. Nun Anne Holt wieder einmal allein  -  und Hanne sitzt im Rollstuhl. Auch Billy T. fehlt … zunächst. Es entwickelt sich dann eine Geschichte aus einem cold case, den Hanne Wilhelmsen ermittelt, und aus einer aktuellen Geschichte, in die Billy T. verwickelt ist  -  mehr sollte man nicht verraten.

Die Charaktere aus den „alten“ Geschichten sind stimmig weiter entwickelt. Die Schilderung, was islamistischer Terror in den Köpfen und bei politischen Prozessen anrichten kann, wie irrational reagiert und entschieden wird, ist leider nicht von der Hand zu weisen. Sehr packende Lektüre, nicht wirklich ein Krimi  -  eher ein spannender Roman.

Anne Holt / Ein kalter Fall

 

von Thomas Koch

Shari Lapena / The Couple Next Door

Ein junges Ehepaar, finanziell abhängig von den Eltern, ist auf einer Dinerparty beim Paar im Nebenhaus  -  und dann ist das Baby verschwunden. Die daraus entwickelte Story ist gut und spannend erzählt, kurze Kapitel, so dass man immer wissen möchte, wie es weiter geht, da die Wendungen nicht alle vorhersehbar sind. Ganz bestimmt keine Weltliteratur, aber ein schöner Krimi für Strand oder Pool oder die Zeit zwischen zwei Fahrradtouren.

Shari Lapena / The Couple Next Door

 

von Thomas Koch

Nathaniel Adams & Rose Callahan / I am Dandy - The Return of the elegant Gentleman

Ein ganzes dickes und buntes Buch mit Portraits von Männern, die einen besonderen Kleidungsstil pflegen und kultivieren. Die Bilder zeigen dies sehr lebhaft und geben einen kleinen Einblick in das persönliche Umfeld, einen Blick auf die Schuhe (da hat mich das eine oder andere Paar schon nervös gemacht …), Manschettenknöpfe oder andere besondere Details  -  dazu immer eine kleine Geschichte.

Das Buch ist mit Liebe und Esprit gemacht von einem kleinen Verlag abseits der ausgetretenen Pfade, sehr sehr schön!

Ob sich die abgebildeten Herren alle als Dandies sehen, kann dahingestellt bleiben. Anregungen für den eigenen Kleiderschrank, für anregende Diskussionen mit Partner oder Partnerin, gibt es in Hülle und Fülle.

Nathaniel Adams & Rose Callahan / I am Dandy - The Return of the elegant Gentleman

 

von Thomas Koch

Lee Child / Der letzte Befehl

Der Militärpolizist Jack Reacher soll 1997 in einer amerikanischen Kleinstadt in der Nähe einer Militärbasis undercover mehrere Frauenmorde untersuchen, weil zu vermuten ist, dass ein Soldat der Täter sein könnte. Schnell stellt Reacher fest, dass es um mehr gehen muss, er soll die Aufklärung eher verhindern, vertuschen. Nicht mit ihm!

Spannend, diese Geburt eines Serienhelden, eine krasse Story, ein echter Pageturner. Sonnenbrandgefahr am Strand!

Für mich als Buchhändler besonders schön: Wer noch nie einen Jack Reacher las  -  jetzt ist er angefixt! Ich kann die Nummern 1 – 15 noch vorm Urlaub liefern, hihi.

Lee Child / Der letzte Befehl

 

von Thomas Koch

Empfehlung vom Sommer 2015

Ich muss an dieser Stelle ein Geständnis machen: Ich bin Jack-Reacher-Fan. Lee Childs Thriller um den Militärpolizei-Veteranen lassen mich nicht mehr los. Dieser physisch im besten Karl-Mayschen Sinne idealisierte Held fasziniert mich irgendwie. Seine entschlossene, skrupellose Art, Gerechtigkeit Geltung zu verschaffen  -  zum Glück sind es nur Romane!

Aber was für welche! Bei mir begann alles mit diesem Buch: Wespennest: Ich hatte kurz vorher eine Besprechung eines Filmes mit Tom Cruise gelesen (Sniper); moniert wurde vor allem, dass Cruise mit seinen knapp 1,70 den Hünen Reacher nicht glaubhaft darstellte und deshalb Jack-Reacher-Fans dem Film fern blieben. (Später habe ich den Film auch gesehen  -  es stimmt!) Ja, und dann fällt mir dieses Buch in die Hände – hier der Klappentext:

 

Lee Child / Wespennest



Ein angeschlagen und ungelenk wirkender Mann betritt die Bar eines Motels in Nebraska: Es ist Jack Reacher. Dort bekommt er zufällig mit, dass der Dorfarzt einen Notruf entgegennimmt, sich jedoch weigert, der Anruferin zu helfen. Kurzerhand zwingt Reacher ihn dazu, seine Pflicht zu erfüllen – und lernt eine Frau kennen, die nicht zum ersten Mal von ihrem Mann verprügelt wurde. Er stellt den Schläger im örtlichen Steakhouse und löst damit eine Lawine aus. Denn der Schläger ist niemand anderes als einer der Duncan-Brüder. Seit Jahren führen sie mit eiserner Faust ein Regime der Einschüchterung und der erpresserischen Ausbeutung …

 

Schon zwei Tage später begann ich meine Sammlung mit dem Band 1.

Was meiner Meinung nach so herausragend an der Reihe ist? Der unsentimentale Blick in die Abgründe unserer Gesellschaft, insbesondere der amerikanischen. Im Kern sind die Geschichten hochmoralisch  -  und werden so wunderbar balanciert durch den nicht im Geringsten zimperlichen Held, der forscht und aufklärt, nötigenfalls mordet und gewissermaßen die Drecksarbeit macht. Diese etwas faschistisch anmutende Idee ist natürlich nicht neu; neu ist aber die nachgerade süchtig machende Umsetzung. Bekennend konservativ, aber super spannend. Ich kenne kaum was Besseres in diesem Genre.