von Thomas Koch

Wilhelm Betz / Charakterköpfe

Bei uns liegen sie schon als Tablebooks, werden immer wieder zur Hand genommen, regen zu Erinnerungen oder Aktivitäten an. Und man freut sich einfach, hinter der einen oder anderen Begebenheit nun ein Gesicht zu sehen.

Ach, Stuttgarter Charakterköpfe wäre doch was für …

 

Ach, Stuttgarter Frauen. Charakterköpfe wäre doch was für …

 

von Thomas Koch

Jürgen Goldstein / Blau

Offiziell läuft das ja als Sachbuch. Na ja - irgendwie essayistisch ist es ja. Vor allem aber ist es ein wunderbares intellektuelles und literarisches Vergnügen. Ich zitiere hier die Bloggerin Katharina Herrmann, denn besser lässt es sich nicht beschreiben: „Das Staunen steht im Vordergrund, und gerade das macht dieses Buch so großartig: Hier schreibt einer gelehrt, ohne zu belehren, der zwar viel kennt, aber weiß, dass sich manche Dinge nicht erkennen, sondern nur erstaunen lassen. „Blau“ ist vor allem ein Buch, dem das gelingt, was Büchern im Idealfall gelingen sollte: Es lässt den Leser mehr und anders sehen.“

Und das in einer unglaublich eleganten Sprache, kunstvoll arrangiert, ein preiswürdiges Buch!

Ach, das wäre doch was für …

 

von Thomas Koch

Wolfger Pöhlmann / Es geht um die Wurst

Offiziell läuft das ja als Sachbuch. Aber: das ist einfach ein Riesenspaß für alle Kerle, die gern essen  - am liebsten Wurst – (also für alle Kerle) oder die gern kochen. Also, der Mann weiß alles über Wurst, kennt alle, hat alle schon gegessen, liebt alle. Und so schreibt er. Ich muss das Thema wechseln, mir läuft das Wasser im Mund zusammen.

Ach, das wäre doch was für …

 

von Thomas Koch

Amy Kaufman & Jay Kristoff / Illuminae – Die Illuminae-Akten

Offiziell läuft das ja als Jugendbuch „ab 14“: Quatsch: das ist einfach ein Riesenspaß für alle Jungs, die SciFi oder Star Wars oder Enterprise mögen. Und so gänzlich anders, ein Puzzle aus Mails, Funksprüchen, Monologen, Bauplänen, Skizzen, das eine wilde Geschichte von Liebe und bösen Konzernen, von Weltraumschlachten und Zombie-Viren äußerst unterhaltsam vorantreibt. Sensationell: Sie werden das Buch nicht aus der Hand geben!

Ach, das wäre doch was für …

 

von Thomas Koch

Juli Zeh / Leere Herzen

Nachdem Juli Zeh mit dem super erfolgreichen Roman „Unterleuten“ eine Geschichte aus einem Dorf in den neuen Bundesländern aus der Verknüpfung von Einzelschicksalen aufgerollt hat und dabei die Betonung, ein wenig wie im Buch von Towles, auf der Erzählung einer Geschichte lag, ist sie mit ihrem neuen Buch „Leere Herzen“  wieder in den Bereich der Gesellschaftsphilosophie und der sorgenvollen Betrachtung unserer Zukunft eingestiegen  –  eher wie in „Corpus Delicti“. Die Geschichte ist Mittel zum Zweck, die Idee ein Geniestreich, die Kritik an der Gegenwart sezierend und schmerzlich.

Die handelnden Personen haben sich im Jahr 2025 in einem Deutschland, das von einer Art AfD beherrscht, äh, regiert wird, ohne größere moralische Bedenken in einer Nische wirtschaftlich sehr erfolgreich eingerichtet und wollen diese nicht mit Mitbewerbern (nett formuliert) teilen. Es entwickelt sich ein beklemmend realistischer Thriller in der Juli Zeh eigenen lakonischen Sprache: kurze prägnante Sätze und ohne lange Absätze, kaum Introspektion, die Handlungen sprechen für sich. Eine Dystopie? Ja, aber noch haben wir es in der Hand. Noch haben es die Partien in der Hand. Noch.

Man muss es einfach lesen.

 

von Thomas Koch

Amor Towles / Ein Gentleman in Moskau

So langsam taucht dieses Buch in der einen oder anderen Empfehlungsliste auf und - es lohnt sich wirklich, wenn man einfach mal schmökern möchte, eine schöne Geschichte lesen will.

Natürlich kann man auch in diese Story eines russischen Adligen gesellschaftspolitische und historische Betrachtungen hineininterpretieren, der zu Zeiten der Oktoberrevolution erst seine Güter und seine Privilegien verliert, dann auch die Bürgerrechte; der in einem Moskauer Hotel unter Hausarrest gestellt wird, in dem er dann als Kellner arbeiten muss. Natürlich geht es dann auch um die Darstellung der Gewinner und der Verlierer der russischen Revolution, aber man kann sich auch einfach an der in einer schönen Sprache erzählten und mit überraschenden Wendungen breit ausgemalten Lebensdarstellung dieses „Gentleman“ erfreuen. Ich finde, so sollte man das Buch auch lesen – es macht einfach Spaß.

Eine wirklich schöne Geschichte aus Moskau …..

 

von Thomas Koch

Ilija Trojanow / Nach der Flucht

Ja, und dann noch das aktuelle Buch des Weltensammlers Ilija Trojanow : In knappen Bildern, Mosaiksteinen gleich, erzählt der 1965 in Bulgarien geborene, mit den Eltern 1971 geflohene Autor vom Leben nach der Flucht. Von den Schwierigkeiten und Peinlichkeiten  -  auf beiden Seiten. Ein sehr einprägsame, Erkenntnis stiftende Analyse, die sich wunderbar leicht lesen lässt. Kurze, eindringliche Sätze wie: „Den Anderen nur als ,Anderen‘ wahrzunehmen ist der Beginn von Gewalt.“ Oder: „Heimat ist das, was in einem nicht sterben kann. Eine Illusion, die auch dann nicht verschwindet, wenn man nicht mehr an sie glaubt.“

Selbst wenn die Integration über alle Maßen gelingt, irgendwas bleibt, z.B. „Sie haben ja gar keinen Akzent. Das klingt wie Sie verheimlichen uns etwas…“ Oder die Passage, deretwegen ich das Buch dann endgültig las: „Stets wird der Geflüchtete (also Trojanow) vorgestellt als einer, der von woanders kam. Der spät in einer Winternacht in einen Gasthof trat. Der nicht eingeladen war. Ein Mündel, dem ein Teller Suppe vorgesetzt wurde, weil es sich so ziemt. Egal, wie viele Jahre seit seiner Flucht vergangen sind, die Einheimischen kennzeichnen ihn als jemand, der etwas Essentielles nicht mit ihnen teilt.“

Eine kluge und poetische Meditation über das Fremdsein. Literatur als Widerstand, Poesie als Waffe gegen diese neue alte Angst.

Ein wunderbares Buch.