von Thomas Koch

Michael Dobbs / House of Cards

Und, beim nächsten Mal in Gesellschaft, der kleine Tipp, wenn das Gespräch tatsächlich auf House of Cards kommt: Die Uridee ist ein Roman aus dem Jahr 1989, der die Zeit nach Maggie Thatcher darstellt. Ein wirklich böser, fesselnder Politthriller von Michael Dobbs Ein Kartenhaus, den der geschäftstüchtige Verlag jetzt in Neuauflage, na klar:

House of Cards

nennt.

von Thomas Koch

Bernhard Aichner / Totenhaus

Totenhaus knüpft an das Buch „Totenfrau“ an. Wer „Totenfrau“ gelesen hat, konnte sich eine Fortsetzung sicher nicht vorstellen  –  wer das Buch nicht gelesen hat, erfährt einerseits genug über die Vorgeschichte und wird andererseits auch deshalb kein Problem haben, weil es sich nicht um eine echte Fortsetzung handelt. Die Story fußt auf den Begebenheiten des ersten Bandes, entwickelt aber rasch verschiedene Handlungsstränge, deren zentrale Figur lange im Verborgenen bleibt. Wenn man sich auf die etwas weit hergeholte Idee des Einstiegs in das Buch einlässt, begibt man sich mit dem Autor in eine Geschichte, in der die Anzahl der skurrilen und (etwas) verrückten Personen deutlich größer ist, als die, die man so gemeinhin als normal bezeichnen würde. Ein Tipp: Nicht alle als Nebenfiguren auftauchenden Personen sind so unwichtig, wie sie dargestellt werden.

Totenhaus ist nicht so konsequent und logisch gradlinig wie „Totenfrau“, aber eine spannende Geschichte mit einem Ende, das einem während des Lesens immer als die unwahrscheinlichste Lösung vorkommt. Kein leichter Stoff.

Mal schau’n

 

von Thomas Koch

Till Räther / Fallwind

Kommissar Adam Danowski, der schon in zwei Fällen eher über den einzelnen Auftrag hinaus ermittelt hat und aufgrund seiner psychischen Disposition der Hypersensibilität dabei persönlich mehr beeinträchtigt wurde, als er aushalten konnte, hat sich in eine Abteilung versetzen lassen, in der er aus der ruhigeren Zone des Back-Office die Kollegen vor Ort unterstützen soll.

Man ahnt es: für Danowski klappt das nicht, er ist bald wieder mitten drin. Die Geschichte entwickelt sich eher unspektakulär auf dem Land (Friesland!) und, wie so oft, aus viel älteren Begebenheiten heraus. Insgesamt weniger temporeich als bei den beiden vorigen Fällen dieses Kommissars, aber ähnlich viele falsche Fährten und ein wenig mehr von Danowskis persönlichen Problemen (da kann man wie bei mancher TATORT-Folge durchaus kontrovers darüber diskutieren), aber insgesamt sehr lesenswert, weil wie bei den anderen Büchern dieses Autors die Schauplätze so schön plastisch vor dem Auge entstehen.

Doch den will ich

 

von Thomas Koch

Peter Nichols / Die Sommer mit Lulu

Was so fröhlich und unbedarft daherkommt, ist ein wunderbar schräg komponiertes, böses Beziehungsdrama. Eine komplett auf den Kopf gestellte Geschichte, aus mehreren Perspektiven erzählt: Es beginnt praktisch mit dem Tod der beiden Protagonisten (im Streit stürzen die beiden Über-Achtzigjährigen von einer Klippe, köstlich). Ja, und dann geht es los.

Nichols hat seine absolut besten Szenen, wenn er, als ehemaliger Seemann, Bilder und Begebenheiten mit Bezug zum Meer schildert. Da der Roman größtenteils auf Mallorca spielt, gibt es davon reichlich.

Keine große Literatur, aber ein schönes, spannendes Buch mit einem wirklich ungewöhnlichen Plot. Toll. Unter Seglern und Malle-Kundigen topp smalltalktauglich!

Mallorca und Segeln, klingt gut

von Thomas Koch

Thomas Thiemeyer / Valhalla

Mit dem Zurückweichen des Eises auf der Nordhalbkugel werden auch Geheimnisse und Sensationen frei gelegt, Düsteres aus ferner und fernster Vergangenheit. Biowaffenexperimente der Nazis, aber auch versunkene Kulturen - Hyperborea! Kannte ich als Romanstoff bisher nur von Robert E. Howards Conan - treten zutage. Natürlich gibt es üble Schurken, die das für ihre ruchlosen Zwecke ausnutzen wollen: herrlich, es sind Russen! (endlich wieder, jahrzehntelang zwangen Perestroika und political correctness uns seltsamste Bösewichter auf, Araber und Nordkoreaner, alterslose Stasi-Schergen). Aber Ihnen stemmen sich tapfere Menschen entgegen, ja, auch eine deutsche Archäologin unter ihnen mit ihren kampferprobten, Hightech-versierten Freunden. Eine dolle, wilde Geschichte, zugleich spannend wie lehrreich. Der Thiemeyer gräbt da Fakten aus, klasse. Ein Buch, das rundum Spaß macht, unterhält, und, mit ein paar der wissenschaftlichen Ideen kann man sogar gut Smalltalk machen!

Ja, ich will an meinen Fingernägeln knabbern

von Thomas Koch

Juli Zeh / Unterleuten

Unterleuten ist Provinz, tiefste Provinz in Brandenburg, aber da in Brandenburg ist echt die Hölle los.

Alles entzündet sich an den ja auch in den westlichen Bundesländern nicht mehr wirklich beliebten Windrädern. Juli Zeh erzählt anhand dieses Aufhängers Geschichten von Menschen, von Alteingesessenen und Neubewohnern des Dorfs, von jungen Menschen mit Träumen und alten Menschen – auch mit Träumen. Und natürlich führen die unterschiedlichen Träume und auch handfeste wirtschaftliche Interessen zu heftigen Konflikten und unvorhersehbaren Wendungen.

Keine hohe Literatur, aber entspannt zu lesen, macht vor allem Spaß wegen der gut gezeichneten unterschiedlichen Charaktere.

Her damit

von Thomas Koch

Heinz Strunk / Der goldene Handschuh

Eigentlich schreibe ich nicht so gern über Bücher, die über alle Maßen „gehypt“ werden, aber hier muss ich eine Ausnahme machen  -  dieses Buch führt halt direkt in meine Jugend in Hamburg, in Gegenden und, ja, es muss raus, auch in Kneipen, in die man mal einen Fuß gesetzt hat, in Stadtteile, die heute, wie heißt es so schrecklich: voll gentrifiziert sind.

Wir lernen Fritz Honka kennen, den Serienmörder im Hamburg der 70er-Jahre des vorigen Jahrhunderts. Und wir bekommen einen Einblick in die tiefsten Abgründe und Schlünde der Gesellschaft, der da ganz unten, aber auch der da weit oben. Alkohol, Geilheit und Gefühlskälte machen alle irgendwie gleich. Ein schauerlich schreckliches Buch, nur was für wirklich „Hartgesottene“ in seiner entsetzlichen Detailwut. Ein in weiten Teilen guter, wuchtiger Roman; grelle Situationskomik, aber auch zarte Empfindsamkeit. Man merkt aber auch, dass Strunk noch seinen Stil, seine Sprache finden muss. Es holpert manchmal arg, und gelegentlich hätte ein Lektor eingreifen sollen, doch es ist ein Stück starker Literatur. Ein Buch, das den Leser nicht schont, wahrlich nicht.

Ich will mich gruseln