von Thomas Koch

Dave Eggers / Weit gegangen

Aber auch für uns Erwachsene gilt, dass die Bilder im Fernsehen nicht alles zeigen. Dave Eggers, wohlbekannt mit „Der Circle“ und „Ein Hologramm für den König“ hat im Jahre 2009 eine faszinierende Flüchtlingsbiografie aufgeschrieben.

Herzzerreißend, authentisch, und immer noch so entsetzlich aktuell.

Ich möchte es lesen.

von Thomas Koch

Claude Dubois / Akim rennt

Wir sehen Tag für Tag das Elend im Fernsehen, unfassbare Momentaufnahmen. Wie können wir das unseren Kindern erklären?

Die Belgierin Claude Dubois hat da ein wunderbares Kinderbuch zu geschrieben und gemalt. Es nimmt einem wirklich den Atem, beeindruckend, bedrückend, schlicht: gelungen.

Dieses sensationelle Buch muss ich haben!

von Thomas Koch

Könnten Sie Deutsche(r) werden?

Hueber hat da ein sehr feines Spiel entwickelt. Ich war etwas verblüfft über meine Ergebnisse und möchte das hier nicht weiter kommentieren, mir ist an meiner Reputation sehr gelegen. Hmmmhm.

Gönnt Euch den Spaß!

von Thomas Koch

David Monteagudo / Wolfsland

Das sei ja nun ein Bestseller aus Spanien, eine dramatische Werwolfgeschichte aus der archaischen Landschaft Galiziens, das Böse in einem von der Außenwelt praktisch abgeschlossenen Tal. Du denkst natürlich sofort an „Das finstere Tal“, an „Die Bärenjagd“, ja, auch an das Fantastische bei Fred Vargas - und wirst so herb enttäuscht. Kein Drama, keine Spannung - der Werwolf taucht erst- und einmalig (er scheint danach einfach so gestorben zu sein) auf Seite 249 von 268 auf!

Ständig ist die Rede von entsetzlich armen Menschen in einem total abgelegenen Tal: Bei den geschilderten Begebenheiten finden sich jedoch nur normale Leute, die das Tal, wann immer sie wollen, verlassen können. Monteagudo scheitert so an seiner riskanten Konstruktion: Er wählt den Rückblick des reifen Mannes auf Ereignisse in der Kindheit, die das Kind in Ich-Form schildert. Er kann aber der Versuchung, das alles als Erwachsener zu relativieren, zu reflektieren, nicht widerstehen. Das geht schief. Kolossal.

Das ist nicht lesenswert

von Thomas Koch

Flore Vasseur / Kriminelle Bande

Anders als Massimo Carlotto mit seiner super hardboiled Marseille-Connection, der als reine Fiction schildert, wie brachial und bedenkenlos die organisierte Kriminalität auftritt, zeigt uns die Fernseh-Journalistin Flore Vasseur, dass Politik schon längst zum Handlanger des Großen Geldes wurde - und das das Große Geld längst das Große Verbrechen ist:

Der Blick richtet sich zunächst in eine Gruppe von Absolventen einer französischen Elite-Uni, geht ihren Lebensläufen, ihren scheinbaren Erfolgen und verheimlichten Niederlagen nach, ihrer charakterlichen Entwicklung: gelegentlich bemüht wirkend, aber insbesondere die Schilderungen der Pariser Schickimickiszene sind sehr gelungen und unterhaltsam.

Die zweite Ebene, der Haupthandlungsstrang, befasst sich dann mit Finanzmanipulationen undenkbaren Ausmaßes - und was das viele Geld mit Menschen macht. Das liest sich hoch spannend, und es keimt der Verdacht auf, dass da jemand weiß, wovon er so lesenswert schreibt. Und es bleibt die Hoffnung - nee, so schlimm kann es nun doch nicht sein.

Übrigens, sehr zeitgemäß: Das Buch enthält einen Code, mit dem man es sich auch kostenlos als (interaktives, siehe weiter unten) E-book downloaden kann. Und: In den Text sind zahllose QR-Codes eingebettet, die einen via Smartphone oder PC zu teilweise sehr verstörenden Factsheets führen. Echt spannend! Und, als Novum auch sehr gelungen: Die Fernsehjournalistin schafft es, dem modernen Buch multimedial Leben einzuhauchen. Da will ich ihr gern verzeihen, dass ich der dem Buch zugrunde liegenden Verschwörungstheorie nicht so ganz Glauben schenken mag.

Den will ich

von Thomas Koch

Marie-Sabine Roger / Das Leben ist ein listiger Kater

Das Labyrinth der Wörter haben wir geliebt, auch die sensationelle Verfilmung mit Gerard Depardieu, der neueste kleine Roman von Marie-Sabine Roger steht dem in Nichts nach: Ein eigenbrötlerischer, verwitweter Rentner, Jean-Pierre, ein Griesgram sonders gleichen, wird bei einem Autounfall in die Seine geschleudert; nach Tagen im Koma erwacht er „polytraumatisiert“ im Krankenhaus. Hier wird er nun, bis auf seinen Sarkasmus völlig wehrlos, von einer herrlichen Meute seltsamster Menschen heimgesucht - wunderbar.

Super gelungen sind die Kapitel, in denen es um sein Verhältnis zu seinem Lebensretter geht: „Die „Person“ ist der junge Prostituierte…“. Köstlich, dieses Herumgeiere. Schlussendlich fügt sich aber alles zusammen, Jean-Pierre freundet sich mit Menschen an, ein wunderschönes Happy End. Beste, nein: Allerbeste Urlaubslektüre!

Schnell in den Koffer

von Thomas Koch

Siri Hustvedt / Leben, Denken, Schauen

Auf der Rückseite steht: „In diesen … Essays erforscht die wohl bekannteste Femme de lettres der USA eine der Grundfragen unseres Menschseins: Wer sind wir? Und was bedeutet es, ein Mensch zu sein?“

Ich weiß nicht, ob man es so hoch hängen muss. Das Buch ist aber eine wirklich schöne Sammlung, in die es sich immer wieder lohnt, hineinzulesen. Dabei muss man ja nicht den Einteilungen folgen, die das Inhaltsverzeichnis vorgibt; viel schöner ist es, der Neugierde auf die einzelnen Titel der Essays zu folgen. Die Schriftstellerin Hustvedt, deren Romane (z. B. aktuell Der Sommer ohne Männer) bestimmt nicht jedermanns Sache sind, zeigt sich hier von der Seite, die wahrscheinlich die Basis für die vielschichtigen Strukturen ihrer Romane darstellt: Forschend, hinterfragend, analysierend. Auf jeden Fall sehr anregend zu lesen.

Ja, ich will mich inspirieren lassen