von Thomas Koch

Steve McCurry / Lesen

Ich setze voraus, dass Ihr/Sie alle gern lest. McCurry hat dieses „gern lesen“ in schöne, wunderbar ruhige Bilder eingefangen. Und wo überall gelesen wird! Fast magisch, man ertappt sich beim Schwelgen und Innehalten, man fühlt sich irgendwie besser. Wir sind nicht allein. Ein tolles Buch.

Das muss unter den Baum:

 

von Thomas Koch

Karl-Heinz Hartmann / Busch trifft Spitzweg

Wilhelm Busch geht ja immer. Spitzweg geht auch immer. Busch trifft Spitzweg : das geht fabelhaft!

Reclam hat da ein wunderhübsches Büchlein aufgelegt mit Buschs heiter-nachdenklichen Versen; dazu passend Spitzwegs anrührende, so poetisch scharf beobachtete Bildszenen. Herrlich herrlich:

„Der Müller ist gut; trotz alledem
Ist mir die Müllerin lieber.“

Das ist es: Und nur 19.95! 

 

von Thomas Koch

Branko Milanovic / Die ungleiche Welt

Milanovic untersucht mit wissenschaftlicher Kühle Ursachen und Wirkungen der ungleichen Mittelverteilung in der Welt und in einzelnen Staaten. Die Konsequenzen sind brutal, bereits die ersten, gewissermaßen noch milden Auswirkungen machen uns aber schon extrem zu schaffen und rufen gespenstisch fast vergessenes Gedankengut auf  -  Populisten und Neue Rechte erstarken, während der Migrationsdruck in armen Ländern und Kontinenten unaufhaltsam steigt.

Schwere, gelegentlich arg wissenschaftliche Kost, aber, so meine ich, ein Muss für alle politisch denkenden Menschen.

Das Buch interessiert mich

 

von Thomas Koch

Bodo Kirchhof / Widerfahrnis

Es ist nicht sein stärkstes Buch, zumindest an Wo das Meer beginnt reicht es nicht heran, und der Gewinn des Deutschen Buchpreises ist vielleicht eine Überraschung  -  aber ich halte es in diesen Zeiten für ein wichtiges Buch: Der ganzen Grobheit in der Flüchtlingsdiskussion wird eine wunderschöne, nachdenkliche Sprache entgegen gesetzt; eine melancholische Geschichte von Liebe und Flucht, Flüchtenden und Liebenden. Ein wunderschönes Stück Literatur, ein eine Spur zu selbstsicherer Autor, ein lesenswertes Buch:

Her damit

 

von Thomas Koch

Daniel Kehlmann / Du hättest gehen sollen

Draußen ist es duster und kalt, hier so am Laptop ist’s warm, nachgerade behaglich  -  der ideale Zeitpunkt, eines der meistgehypten Bücher dieser Tage zu würdigen: die kleine Horror-Erzählung Du hättest gehen sollen von Daniel Kehlmann. Was wurde nicht alles geschrieben: Ein Meisterwerk. Ja, das stimmt. Ein zauberhaftes, beklemmendes Kleinod, ein Kunstwerk. Ja, alles das stimmt.

Herrlich, der Schauerroman früherer Zeiten, wieder jung und frisch. Beklemmend in der Wirkung, ohne abstoßend oder gar brutal blutig zu sein. Die Drehung der Schraube kommt einem in den Sinn, hinten winkt H.P. Lovecraft  

Wunderbar der kleine Gag: das verwunschene Haus wurde mit airbnb angemietet …

 

Also ehrlich, das MUSS man einfach gelesen haben.

von Thomas Koch

Gard Sveen / Der letzte Pilger

Gard Sveen / Der letzte Pilger

Wie bei vielen gut recherchierten Kriminalromanen bekommt man eine andere Perspektive, einen anderen Blick auf etwas, das man als halbwegs gebildeter politischer Mensch zu kennen glaubte. Sveen entführt uns in die 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, als Norwegen von den Nazis besetzt war. Widerständler und Kollaborateure, Geheimagenten und wirtschaftliche Interessen - all das war 1945 mit der Kapitulation nicht vorbei und reicht weit in unser Jahrtausend hinein, führt im Jahr 2003 zu einem grausamen Mord an einem norwegischen Idol des Widerstandes. Eine spannende, absolut plausible Story, ein in seiner Zerrissenheit polarisierender Ermittler - sehr lesenswert.

 

von Thomas Koch

Matthias Brandt / Raumpatrouille

Viele von uns erinnern sich noch an Dietmar Schönherr und die bezaubernd-spröde Eva Pflug, an hastige Rückstürze zur Erde, böse außerirdische Frogs im Nacken. Wir erinnern und aber auch an die Bonner Republik, an Willy Brandt: Sein Sohn Matthias, der begnadete Schauspieler und Sprecher, legt eine Geschichtensammlung vor, die Lust auf mehr macht: Knapp, voller Empathie, gekonnt Worte setzend - und sehr spannend zu lesen; Matthias Brandt schreibt über seine Kindheit, als ob er nie etwas anderes getan hätte. Ein unfassbar gutes, gelungenes Debut. Umwerfend die Liebeserklärung an den Vater auf den letzten Seiten. Toll, muss man lesen.

Da kann man nicht vorbei