von Thomas Koch

Overath/Koch (Ha!!) Herausg. / Tafelrunde - Schriftsteller kochen für Ihre Freunde

Das gibt es immer wieder und ist nicht sonderlich originell: Rezeptsammlungen im mehr oder weniger privaten Umfeld – für eine Betriebsfeier, zu einem Jubiläum oder runden Geburtstag. So ähnlich ist das hier auch, Schriftsteller, die man kennt und auch solche, die man nicht kennt, haben ein Rezept beigesteuert und … das ist hier nun das Schöne, Erfrischende: auch eine Geschichte.

Das ist also kein Buch, in dem man gezielt nach Rezepten suchen wird – und auch nicht nach Geschichten. Es ist eher ein Table Book, in dem man immer mal wieder blättert, in eine Geschichte hineinliest und plötzlich eine Idee zu dem dazugehörigen Rezept entwickelt.

Obwohl die Rezepte keinen Meisterkoch erfordern, ist es doch schon ein Buch für Menschen, die neben dem Lesen noch ein anderes Hobby haben!

Das passt, ich such nach Inspiration für’s nächste Dinner

von Thomas Koch

Ariadne von Schirach / Du sollst nicht funktionieren

(Wie bei den Manns schreiben da ja wohl alle in der Familie! Á propos aktuell: Von ihrem Cousin Ferdinand (der mit den sensationellen Kurzgeschichten „Verbrechen“) läuft gerade im Stuttgarts Altem Schauspielhaus Terror - eine echte Wucht, sollte man sich anschauen)

Zum einen ist das Buch eine furiose Abrechnung mit diktierten, oktroyierten Werten, Mustern, Lebenszielen. Nur noch Mammon, Profit, eine Work-Life-Balance, die, ja wem eigentlich, nutzt? Ein Hurra dem Augenblick, unserer menschlichen Natur, der Leidenschaft. Und, die Philosophin von Schirach holt es auf eine Ebene, die wir verstehen, die wir nachvollziehen können. Eine Seite über die „Göttin Anorexia“ - und ich habe es endlich verstanden. Sie scheut auch nicht vor Harry Potter zurück oder Nick Cave:

„Vielleicht gibt es nur diesen Tanz. Vielleicht gibt es überhaupt nur diesen Tanz und diese kostbaren Momente in dem kurzen Flackern zwischen Geburt und Tod. Aber auf diesen Tanz kann man bauen. Dafür kann man sterben, weil es etwas zu verteidigen gibt, eine Unschuld, eine Freude und eine Hoffnung. Weil es schön ist, dass wir auf der Welt sind.“

Gibt es mehr zu sagen?

Her damit!

von Thomas Koch

Lars Geiges / PEGIDA

Sind das wirklich alles nur Hohlköpfe, verdruckste Loser, ängstliche, veränderungsunfähige Spießbürger? Und wie kann es sein, dass all das widerwärtige braune Gedankengut wieder hochgespült wird?

Ich weiß jetzt mehr, bin noch mehr bereit, mich dagegen zu stemmen. Und bin auch unendlich traurig. Ich denke, freiheitsorientierte, politische Menschen sollten dieses Buch kennen.

Einmal politische Bildung bitte

von Thomas Koch

Elisabeth Kolbert / Das 6. Sterben

Wie der Mensch einen vermutlich unumkehrbaren Massenmord an der Artenvielfalt begeht - sehr erhellend, sensationell geschrieben, aber letztlich unendlich bedrückend. Man mag das gar nicht alles wissen wollen und kommt doch nicht weg davon. Was ist nur los mit uns?

Traurig, aber da

von Thomas Koch

Sandrone Dazieri / In der Finsternis

Mal wieder einer dieser knallharten, rabenschwarzen Italiener mit ordentlich Korruption und reichlich Action. Und: Diese Geschichte wird alle Verschwörungstheoretiker begeistern, denn die Verschwörung, um die es geht, ist wirklich riesig und lang anhaltend. Aber natürlich ist das Komplott nur ein Teil des Problems.

Die Geschichte hat vielleicht, bis sie wirklich in Gang kommt, ein oder zwei Windungen zu viel, ist aber in jedem Fall so erzählt, dass man ab einem gewissen Punkt bewusst  Pausen einlegt, weil man zwar eigentlich immer wissen will, wie es weiter geht und dann doch mal Luft holen muss – einfach irre spannend, ein echter „page turner“.

Ja, ich will über Weihnachten wenig Schlaf und viel Herzklopfen

von Thomas Koch

Till Raether / Blutapfel

Wer „Treibland“ von Till Raether mit wachsender Spannung gelesen hat, sollte auch „Blutapfel“ lesen – und wer „Treibland“ nicht gelesen hat, kann, ja sollte es eigentlich dennoch tun: Der zweite Fall für Adam Danowski, den hypersensiblen, unberechenbaren Hamburger Kriminalkommissar. Es ist ein richtig spannendes Buch, das gewissermaßen im Elbtunnel beginnt und uns dann an viele Orte meiner Heimatstadt führt, wo man nie hinkommt, selbst wenn man Hamburg gut kennt. Die handelnden Personen sind sich alle gegenseitig nicht grün, wer mag schon den amerikanischen Geheimdienst, und finden doch rechtzeitig einen gemeinsamen Weg. Und für alle die, die wie ich schon ungewohnt früh eine Ahnung zu haben glauben, sei gesagt, dass es am Schluss natürlich doch etwas anders kommt. Mehr kann man aber nicht verraten!

Das Buch will ich

von Thomas Koch

J. J. Abrams / S. - Das Schiff des Theseus

J. Abrams kennt man als Regisseur aus dem Kino (Mission Impossible III, Star Trek – Into Darkness, jetzt gerade in den Kinos Star Wars Episode VII) und aus dem Fernsehen (z. B. Lost oder Fringe), also ein ganz Großer. Und nun das: Er schreibt einen Roman. Nein, er erschafft ein verzwicktes, ein vielschichtiges Buch. Ja, erschaffen, denn es ist viel mehr als ein Text, es ist ein herrlich sentimentales Buchprojekt geworden, ein Triumph der Nostalgie, haptisch eine Wucht; wunderbar eintauchend in unsere Kinderzeit mit ihrem Spieltrieb und der Schatzsuchelust. Eine einfach irrsinnige Reise durch Zettel, Schnipsel, rätselhafte Anmerkungen. Man hat wirklich das Gefühl, etwas Altes in Händen zu halten, an einem Geheimnis beteiligt zu sein. Der Trost für uns hier aus dem Lande Gutenbergs: Die deutsche Übertragung ist glaubhafter, besser als das amerikanische Original -  wir haben es immer noch drauf!

Es ist ein sensationelles Buch, ein „must have“ für jeden Bücherfreund.

Ja, ich bin süchtig