von Thomas Koch

Omar El Akkad / American War

Ein düsterer Blick auf die Zukunft der USA. Die dem Buch zu Grunde liegende Landkarte zeigt die alten Gräben, Nordstaaten gegen Südstaaten, wobei die Südstaaten durch Klimakatastrophen und ein Quarantänegebiet schon stark dezimiert sind. Auch wenn die Handlung 2075 und noch weiter in der Zukunft spielt, die Verrohung der Menschen im Krieg ist die gleiche wie früher und heute. Beschrieben wird das Leben einer Frau, die ein sehr unweibliches Leben führt. „Fesselnd und erschreckend“, dieses Zitat aus der Washington Post trifft es.

Muss man lesen!

 

von Thomas Koch

Yasmina Reza / Babylon

Wir kennen diese Autorin ja vor allem wegen ihres sensationell verfilmten Theaterstücks „Der Gott des Gemetzels“: ein hochkomischer Blick in das Innenleben zweier kultivierter, arrivierter Ehepaare, die Stress wegen ihrer Kinder haben.

Jetzt geht es etwas weiter: ein Mord geschieht nach einer zwanglosen Frühlingsparty, der Nachbar über den Gastgebern erwürgt seine Frau. Das ist alles sonnenklar, kein Krimi, aber ein köstlich sezierender Blick in das Innenleben dieser Paare und ihres Freundeskreises. Komisch und zugleich sehr ernst, analysierend.

Der Mord geschieht zwar erst auf Seite 79, und bis dahin ist es nicht immer leicht, bei der Stange zu bleiben  -  aber allein das Geständnis, die urkomische Schilderung dieser Hervorbringung, das lohnt die Lektüre.

Yasmina Reza ist ja gelernte Theaterautorin, das merkt man dem Text an: sensationelle Dialoge, Handlungen im Kammerspielformat, präzise, treffende Miniaturen  -  eine wunderbare Lektüre!

Einmal französischen Humor, bitte:

 

von Thomas Koch

Maurizio Torchio / Das angehaltene Leben

Eines der düstersten und eindringlichsten Bücher, das ich in den letzten Jahren gelesen habe.

Die kurze Lebensbeichte eines Entführers  -  und die endlose Schilderung seiner Gefängnisleiden. Und eine erschütternde Darstellung des Kosmos Gefängnis, geschrieben in einer machtvollen, suggestiven Sprache. Ich weiß ja nicht, wo der Autor diese Erfahrungen recherchieren konnte, es ist beängstigend. Kein Lesespaß, sondern ein Ereignis, ein Horrortrip. Tolles Buch. Aber hart, sehr hart.

Einmal Gefängnisluft schnuppern, das will ich:

 

von Thomas Koch

Franzobel / Das Floß der Medusa

Allein schon das Zustandekommen des Künstlernamens verspricht feine Lektüre: Der gute Autor erwacht vor dem Fernseher, dort läuft mittlerweile ein Fußballspiel, es steht 2:0 zu Frankreich, Kurzfassung auf dem Bildschirm FRAN 2:0 BEL. Der schlaftrunkene Franz Stefan Griebl liest FRANZOBEL  -  so entstehen Künstlernamen.

Na ja, „Evangelio“ von Feridun Zaimoglu und „Kraft“ von Jonas Lüscher habe ich (an-)gelesen. Muss man nicht.

Franzobel / Das Floß der Medusa

 

von Thomas Koch

Sven Regener / Wiener Straße

 

Herr Lehmann ist zurück, juchhu; das wird ein Hauptspaß!

Sven Regener / Wiener Straße

 

von Thomas Koch

Mirko Bonné / Lichter als der Tag

Von Mirko Bonné habe ich vor rund zehn Jahren das erste Mal eine Kurzgeschichte gelesen, die in der jährlichen Sammlung des Hamburger Schriftstellervereins „Der Ziegel“ (der heißt nicht nur so …) erschienen war  -  das verspricht spannende Lektüre!

Mirko Bonné / Lichter als der Tag

 

von Thomas Koch

Juli Zeh / Corpus Delicti

Perfekt geeignet für die Handtasche, so dass frau es täglich für kleine Lesepausen dabei haben kann, zumal es in schönen kurzen Kapiteln geschrieben ist.

Wir blicken in die Zukunft, in das Leben und Funktionieren einer Gesellschaft, in der sich alles um Gesundheit dreht  -  noch mehr und administrierter als jetzt schon. Getrunken wird nur heißes Wasser, Wald und Natur gelten als Gefahrenzonen, weil sie nicht komplett desinfiziert werden können.

Natürlich gibt es Menschen, denen ein solches Leben nicht gefällt, die ausbrechen wollen. Und natürlich hat die gesundheitsdiktatorische Regierung mit solchen Menschen ein Problem.

Juli Zeh erzählt eine schöne Geschichte in ihrer eigenen, kunstvoll lapidaren Sprache. Manch ein Vortrag der Protagonisten kann einem schon zu denken geben. Ein Zukunftsroman, den man gelesen haben sollte.

Juli Zeh / Corpus Delicti