von Thomas Koch

Lousia Luna / Tote ohne Namen

Ein neuer Stern am Thriller-Himmel: Louisa Luna. Hart und erbarmungslos die Story; nüchtern und knapp die Sprache; glaubwürdig und fesselnd sie Charaktere - das macht richtig Spaß. Wer Jack Reacher oder Harry Hole liebt, wer Don Winslow oder Sebastian Fitzek verschlingt, kann nicht an diesem Buch vorbei. Gnadenlos gut!

Alice Vega ist Privatdetektivin, manchmal Kopfgeldjägerin und immer Spezialistin im Auffinden verschwundener und entführter Personen. Vega ist knallhart, notfalls gewaltaffin, aber auch sehr klug, deduktiv begabt, eine ultrascharfe Beobachterin - und sie gibt nie auf. Als zwei mexikanische Mädchen tot aufgefunden werden, heuert das San Diego Police Department Vega an, denn bei den beiden Toten ohne Namen fand man zwar keine Dokumente, dafür aber einen direkt an Vega gerichteten Hilferuf. Das DEA, die auf Drogen spezialisierte Strafverfolgungsbehörde, legt ihr nahe, die Finger von diesem Job zu lassen. Und auch die mexikanischen Kartelle schalten sich ein. Aber sie alle haben die Rechnung ohne Vega gemacht ...

Her damit!

von Thomas Koch

Megan Hunter / Die Harpyie

Wenn du frustriert bist, weil du in Suburbia als einzige ein Haus gemietest hast, weil's für einen Kauf nicht langt. Wenn du frustriert bist, weil dein Mann an einer zweitklassigen Uni arbeitet. Wenn du frustriert bist, weil deine Kinder deiner Karriere im Weg standen. Ja dann sollte dein Mann besser nicht fremd gehen. Das wird krass für ihn.
Heftiges Buch, nichts für schwache Nerven, Durchknallerei vom Feinsten!

Als Lucy erfährt, dass ihr Ehemann Jake sie betrügt, soll eine verhängnisvolle Abmachung die Ehe retten: Drei Mal darf Lucy Jake bestrafen. Wann und auf welche Weise, entscheidet sie. Ein gefährliches Spiel zwischen Rache und Vergebung entbrennt - und schließlich erwacht eine Seite in Lucy, die schon immer tief in ihr geschlummert hat. Bildreich und sprachmächtig erzählt Megan Hunter ein atemberaubendes, dunkles Märchen über eine Verwandlung, aus der es kein Zurück mehr gibt.

Lucy und Jake Stevenson leben mit ihren beiden Söhnen am Rande einer wohlhabenden Kleinstadt in England. Während Jake täglich zur Universität pendelt, arbeitet Lucy von zu Hause aus und kümmert sich um die Kinder. Doch eines Nachmittags zerstört ein Anruf die Familienidylle: Jemand möchte Lucy wissen lassen, dass Jake eine Affäre mit einer Arbeitskollegin hat. Das Paar beschließt zusammenzubleiben, trifft aber eine Vereinbarung als Ausgleich für den Verrat: Lucy wird sich drei Mal an Jake rächen - und er weiß nicht, wann und auf welche Weise. Während die beiden sich auf ein subtiles Spiel um Verbrechen und Strafe einlassen, beginnen sich Lucys Körper und Geist allmählich zu verändern, die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit verschwimmen - eine Verwandlung, die sich nicht mehr aufhalten lässt ... «Die Harpyie» erzählt eine packende Geschichte über Liebe und Verrat, Mutterschaft und Frausein, Wut und Befreiung. Ein Roman von archaisch-mythologischer Kraft und zugleich gegenwärtiger gesellschaftlicher Relevanz.

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von Thomas Koch

Mai Thi Nguyen-Kim / Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit

Über das Buch: Mai Thi Nguyen-Kim untersucht brennende Streitfragen unserer Gesellschaft, denn wissenschaftliche Erkenntnisse liegen allem zugrunde: von Lohngerechtigkeit über den Klimawandel bis zur Impfpflicht. Mit Fakten kontert sie Halbwahrheiten, Fakes und Verschwörungsmythen – und zeigt, wo wir uns mangels Beweisen noch zurecht munter streiten dürfen.

Jurybegründung: Forscher haben herausgefunden, die Studie hat ergeben, die Wissenschaft hat festgestellt. Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie werden Ergebnisse zitiert, verglichen und auch strapaziert, ja sogar verdammt. Deswegen ist es wichtig zu verstehen, wie Wissenschaft überhaupt funktioniert. Was sind valide Daten? Wo fängt Interpretation an? Die Wissenschaftsjournalistin Mai-Thi Nguyen-Kim erklärt das so unterhaltsam, fundiert und unaufgeregt wie in ihren YouTube Videos. Machen Videospiele Jugendliche wirklich aggressiver? Sollte man Drogen legalisieren? Können Globuli überhaupt wirken? Am Ende ist man schlauer, versteht besser, wie Wissenschaft funktioniert und traut sich, in Debatten Position zu beziehen.

Leseprobe: Die aktuelle Debattenkultur scheint hoch strapaziert, es dominiert Schwarz-Weiß, viele Fronten sind verhärtet. Differenzierte Diskussionen sind oft kaum möglich, geschweige denn ein Konsens. Doch zu einem Konsens zu gelangen, ist leichter gesagt als getan. Selbst Greta Thunbergs Spruch »Unite behind the Science« wirkt nach Corona irgendwie komplizierter als vorher. Für Greta war es das Mindeste, das man verlangen kann – sich hinter den Fakten, hinter der Wissenschaft zu versammeln. Aber gibt es die Wissenschaft überhaupt? Und auf was können wir uns überhaupt einigen?

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von Thomas Koch

Michael Maar / Die Schlange im Wolfspelz

Über das Buch: Was ist das Geheimnis des guten Stils, wie wird aus Sprache Literatur? Dieser Frage geht Michael Maar in seinem Haupt- und Lebenswerk nach, für das er vierzig Jahre lang gelesen hat. Was ist Manier, was ist Jargon, und in welche Fehlerfallen tappen fast alle? Wie müssen die Elementarteilchen zusammenspielen für den perfekten Prosasatz? In fünfzig Porträts entfaltet er eine Geschichte der deutschen Literatur.

Jurybegründung: Ein Zirkeltraining der Sprache, ein Boot Camp des Geistes, eine Schule der Achtsamkeit: Michael Maar hat mit „Die Schlange im Wolfspelz“ einen mit vielen Beispielen aus der deutschsprachigen Literatur illustrierten Großessay über guten Stil geschrieben. Maars Spezialität: das Rühmen. Ob er Marie Ebner-Eschenbach „wegen des unverklärenden, antiidyllischen Naturalismus, wegen der Schärfe ihrer Psychologie und der ihres Gehörs“ preist oder Theodor Fontanes Fähigkeit beklatscht, „die Welt ganz im Gespräch aufgehen zu lassen“, Maar analysiert und argumentiert überzeugend. Ein Buch, mit dem man schreiben und denken lernen kann.

Leseprobe: Schlechten Stil zu beschreiben ist relativ leicht. Man kann den Finger darauf legen, was platt ist, wo es holpert, wo es schief ist, wo grau und abgenutzt. Viel schwieriger ist es beim guten Stil. Jeder Stil für sich ist eigen, eben das ist seine Definition. Eine generelle Regel verbietet sich. Die originellste Bestimmung stammt dabei von Kafka. Der Stil, die Individualität der Schriftsteller bestehe darin, daß jeder auf ganz besondere Weise sein Schlechtes verdecke.

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von Thomas Koch

Heike Behrend / Menschwerdung eines Affen

Über das Buch: Heike Behrends Bericht über ihre ethnografischen Forschungen in Kenia und Uganda ist keine heroische Erfolgsgeschichte, sondern erzählt von dem, was in den herkömmlichen Ethnografien meist ausgeschlossen wird – die unheroischen Verstrickungen und die kulturellen Missverständnisse, die Konflikte, Fehlleistungen sowie Situationen des Scheiterns in der Fremde.

Jurybegründung: Die Afrikanistin Heike Behrend legt eine ethnografische Erkundung des Fremdseins vor, was an andere große Werke ihrer Disziplin erinnert – doch hier dienen nicht Notizen über die Anderen, sondern autobiografische Protokolle als Ausgangsmaterial. Den afrikanischen Gruppen nämlich, welche die deutsche Forscherin besucht, erscheint sie zu Beginn mal als Ding, mal als Affe, manchmal beinahe gar als Mensch. Wir lernen, wie unverzichtbar Missverständnisse für den Forschungsprozess sind und dass die Ausgrenzung von „Eindringlingen“ viele Formen annehmen kann, sich aber mit gegenseitiger Geduld und gutem Willen immer wieder auch überwinden lässt. Ein Buch mit hohem theoretischem Anspruch, Brisanz für den postkolonialen Diskurs sowie die Migrationsdebatte, vergnüglich lesbar und voller Überraschungen.

Leseprobe: Der Affe, der Mensch werden will, bin ich, eine (Berliner) Ethnologin. »Affe« nannten mich die Bewohner der Tugenberge im Nordwesten Kenias, als ich 1978 zu ihnen kam. »Affe«, »Närrin« oder »Clown«, »Hexe«, »Spionin«, »satanischer Geist« und »Kannibale« waren Namen, die mir auch auf späteren Forschungen in Ostafrika gegeben wurden. Über diese ethnografischen Forschungen möchte ich hier berichten.

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von Thomas Koch

Asal Dardan / Betrachtungen einer Barbarin

Über das Buch: Als Kind iranischer Eltern ist Asal Dardan in Deutschland aufgewachsen, die Erfahrung des Exils hat sie geprägt. Dieses Buch dokumentiert ihre Suche nach der Überbrückung des ewigen Gegensatzes von „Wir“ und den „Anderen“.

Jurybegründung: Die Kulturwissenschaftlerin Asal Dardan, in Teheran geboren, in Deutschland erwachsen geworden, schreibt über das Mensch-Sein: über Grunderfahrungen wie Migration, Flucht, Reisen und die Fremde. Dardan erzählt von vermeintlich uralten Familientraditionen, die man tatsächlich doch erst neu erlernen muss, und von rückwärtsgerichteten Etiketten, die einfach nicht passen, von Elternsprachen, die einem entgleiten und neuen Familien, die einem erwachsen. Scheinbar mühelos schlägt ihr eleganter Essay den Bogen von Land zu Land und Generation zu Generation, immer stilsicher, über Sprache reflektierend und mit ihr spielend. Damit eröffnet die Autorin nicht zuletzt auch eine wunderbare Alternative zu jenen starren Identitätsdiskursen, die Menschen fesseln, anstatt sie zu befreien.

Leseprobe: Im Grunde hatte ich eine idyllische Kindheit, auch wenn die Hochhäuser von Höhenberg nicht die klassische Kulisse dafür sind. Aber ich dachte nicht viel über mein Leben nach, ich war, und bloß sein zu können kommt einer Idylle sehr nahe. Wenn man sie nicht wahrnimmt, kann Enge sehr gemütlich sein, gerade als Kind. Ich hatte die gleiche rosa Tapete mit weißen Punkten wie Ernie aus der Sesamstraße, und ich fand es aufregend, die Tüten in den Müllschlucker zu werfen und dann in den knarzenden Aufzug zu springen. Alles befand sich an seinem Platz, und mein eigener Platz befand sich im Zentrum von allem. Erst viel später machte sich bemerkbar, dass mir die materiellen und symbolischen Anhaltspunkte fehlten, um mich und meine Eltern in dieser Welt zu verorten.

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von Thomas Koch

Jürgen Kaube / Hegels Welt

Über das Buch: Die Welt ändert sich während der Lebensjahrzehnte Georg Wilhelm Friedrich Hegels von Grund auf. Und zwar durch Ideen, die zu Revolutionen führten: politische, industrielle, ästhetische und pädagogische. Jürgen Kaube erzählt Hegels Leben, erläutert sein Werk und zeigt, wie jene epochalen Umbrüche zum Versuch einer letzten Revolution führen: der des Denkens.

Jurybegründung: Hegel wurde oft in Krisenzeiten zur Lektüre herangezogen, auch gegenwärtig wieder; ist doch unser Gesellschafts- und Staatsverständnis ganz wesentlich von diesem Denker am Übergang zu einer neuen Epoche geprägt. Hegel, so zeigt Jürgen Kaube in seiner monumentalen Biografie des Philosophen, erfuhr die Zerrissenheit der modernen Gesellschaft als grundlegend. Kaube fächert uns den Geist der Moderne im Spiegel von Hegels Leben und Schaffen auf. Wer seinem analytischen Blick folgt, entdeckt nicht nur Hegels welthaltiges Werk, das alles Neue zu entschlüsseln sucht, sondern lernt einen fragenden Philosophen kennen, der sich in seinem Denken radikal den Widersprüchen stellt. Wie leichtfüßig, elegant und manchmal ironisch dieses Buch uns die hegelsche Möglichkeit zur Freiheit nahe bringt, ist virtuos und lehrreich.

Leseprobe: Fast möchte man meinen, dass sich erstmals in der Geschichte überhaupt «Welt» als sinnvoller Begriff für eine Wirklichkeit abzeichnet, die nicht nur von einem überirdischen Beobachter überblickt werden kann, sondern auch für den Menschen erreichbar ist. Erreichbar und nicht nur imaginierbar, weil alles expandiert, die Einbildungskraft wie das Wissen, die politischen Ambitionen wie das technische Vermögen. Zunehmend scheint auf dem Erdball alles mit allem zusammenzuhängen.

Her damit!