von Thomas Koch

Frank Göhre / Die Stadt das Geld und der Tod

Göhre hat einen sehr eigenen Stil: Verknappung bis zum absoluten Minimum; kurze, sehr plastische Szenen; karge Dialoge, ein Drehbuch für das Kopfkino - und dann reißt einen die Handlung fort.

Der Blick in eine Hamburger Realität der Oberschicht (und derer, die da hindrängen) ist gnadenlos desillusionierend. Wenn es wirklich so korrupt zugeht … Und es spricht eigentlich nichts dagegen, oder?

Absolut lesenswert.

Her damit!

von Thomas Koch

Tessa Hadley / Zwei und zwei

Dieser Roman spielt im gutbürgerlichen Milieu Londons; zwei junge, sehr verschiedene Frauen beginnen eine Beziehung mit zwei befreundeten Männern, heiraten dann jedoch den jeweils anderen Partner. Alles scheint dennoch gut. Eine 30-jährige Freundschaft mit gemeinsamen Reisen, Kindern in beiden Ehen und den vermeintlich üblichen ups and downs, nimmt ihren Lauf, bis einer der vier Freunde stirbt. Das Gleichgewicht wird empfindlich gestört und daraus ergeben sich weitreichende Folgen für die Leben der verbliebenen Drei.

Zwei und zwei ist natürlich auch eine Gesellschaftsstudie und doch so viel mehr, weil es einfach gut erzählt ist, klug, voller feiner Ironie.

Her damit!

von Thomas Koch

Denis Grozdanovitch / Von der Kunst, die Zeit totzuschlagen

Zeit zum totschlagen hatten wir ja nun wahrlich genug in den letzten anderthalb Jahren. Wenn man der Statistik glaubt, hat ein Gutteil unserer Landsleute diese damit verbracht, ordentlich zu futtern und sich nur zurückhaltend zu bewegen.

Das meint Grozdanovitch nicht. Ihm geht es um die Legitimation, sich nicht wie blöd für irgendwelche Projekte ins Zeug zu legen, nicht Euro um Euro dem Bruttosozialprodukt hinzuzufügen. Nein, Leute, pflegt eure Spleens, chillt; Müßiggang ist aller Freude Anfang.

Wie steht es so schön im Vorwort: „Im Grunde sind Müßiggänger selten untätig, sie widmen sich einfach nur Tätigkeiten, die die herrschende Meinung als unnütz erachtet.“

Her damit!

von Thomas Koch

Peter Richter / August

Zwei Paare, die aus Berlin nach New York gezogen sind, glauben (mal mehr, mal weniger), es geschafft zu haben. Einer von ihnen, der - Vorsicht Klischee! – mit Immobilen viel Geld verdient hat, mietet für gemeinsame Ferien ein Haus und so verbringen die Vier einen Sommer in den, na klar, Hamptons. Es werden weitere Klischees erfüllt: auch in den Ferien müssen es Porsche und überteuerte hippe Lebensmittel sein, ein exaltiertes Kindermädchen - und dann erscheint auch noch ein Guru. Klingt nach einem Ferien- und Sommerroman, ist aber mehr eine Gesellschaftsstudie, ein Blick auf die Leere in den Leben der Paare. Und so hat der Guru leichtes Spiel. Sehr spannende Betrachtung aktueller Wohlstandsphänomene …. Als Buch die ideale Begleitung zum Whiskey sour.

Her damit!

von Thomas Koch

Sven Regener / Glitterschnitter

Auf der sommerlichen JazzOpen hatte ich das wunderliche Vergnügen, diesem alten Kauz zwei Stunden mit seiner ebenso kauzigen Band Element of Crime zu lauschen. Herrlich schräge, melancholische (Finger weg von meiner Paranoia // Die war mir immer lieb und teuer…) Songs. Nicht viel anders sind ja seine Bücher. Glitterschnitter ist eine Band, die zum Ruhm strebt. In Berlin natürlich, wo es noch eine Mauer gibt. Das ist an sich schon nicht einfach, aber Regener ersinnt (oder eher: erinnert?) allerlei menschliche und technische Komplikationen. Natürlich darf Herr Lehmann nicht fehlen; sein Kampf mit der Cappucino-Maschine, ja, eigentlich schon mit dem Produkt, ist köstlich zu lesen.

Insgesamt reicht Glitterschnitter nicht ganz an den famosen Beginn der Serie um Herrn Lehmann, eben Herr Lehmann, heran, ist aber immer noch ein großes Lesevergnügen. Kopfschütteln und hemmungsloses Kichern sind garantiert.

Her damit!

von Thomas Koch

Sun Zi / Die Kunst des Krieges

Dieses sehr schmale Büchlein ist ja nun über 2500 Jahre alt und beschäftigt sich vor allem mit strategischen Überlegungen zur Kriegsführung. Will man ihn, muss man ihn führen? Und wenn ja, wie? Das Werk resp. die Überlegungen und Empfehlungen des Autors haben ja nicht nur zweieinhalb Jahrtausende die chinesische Politik beeinflusst  -  und deren langfristig angelegte Macht-Bestrebungen, sondern insbesondere in der westlichen Welt auch die Strategien regionaler und globaler Wirtschaftsführer. Neuerdings erlebt Meister Sun auch ein intensives Revival in westlichen Think Tanks und Militärakademien – warum wohl? Jedenfalls, wer da mitreden will, dem sei dieses Büchlein anempfohlen. Es sieht obendrein noch sehr schön aus, wenn das so aus dem Attaché rausschaut, oder wie zufällig auf dem Schreibtisch liegt – das macht Eindruck!

Her damit!

von Thomas Koch

Chris Lloyd / Gare d'Austerlitz

Da hat Suhrkamp wieder einen coolen Krimi an Land geholt: Er spielt in finsterster Zeit (1940!) im soeben von den Nazis besetzten Paris. Ein Inspecteur mit richtig viel Stress, reichlich Action. Finten- und wendungsreich, ein echter Pageturner!